
Russland bietet der Welt eine technologische Alternative an

Von Gleb Prostakow
Die globale digitale Infrastruktur hat heute fast immer einen konkreten Eigentümer. Satelliten-Internet, Clouds, Plattformen und Messenger gehören entweder einem US-amerikanischen oder einem chinesischen Anbieter. Ein Land, das seine digitale Wirtschaft von Grund auf aufbaut, wählt in der Regel zwischen Starlink und den Clouds US-amerikanischer Unternehmen einerseits und Huawei, TikTok sowie dem chinesischen E-Commerce andererseits. Jede Entscheidung bedeutet eine Bindung an einen Anbieter: an dessen Preise, Updates, Regeln und Support-Zeitpläne.
Russland bietet eine Alternative, die sich diesem Schema nicht unterordnen lässt. Dabei handelt es sich nicht um ein bloßes Lippenbekenntnis, sondern um eine Reihe konkreter Produkte und Projekte. Ein Teil davon ist bereits in Betrieb, ein anderer Teil wird gerade erst in Betrieb genommen, wieder andere werden skaliert, und in weiteren Bereichen wird intensiv daran gearbeitet, den technologischen Rückstand aufzuholen.
Der stellvertretende Leiter der russischen Präsidialverwaltung Maxim Oreschkin stellte auf der Ausstellung russischer Lösungen im Rahmen des Forums "Russland – Afrika" zu Recht fest, dass nur eine begrenzte Anzahl von Ländern über ein vollständiges Spektrum souveräner digitaler Möglichkeiten verfügt. Der russische Präsident Wladimir Putin präzisierte dazu, dass diese Anzahl aus den USA, China und Russland bestehe. Das Spektrum umfasst die Verarbeitung und Speicherung von Daten, Mittel zum Informationsaustausch, soziale Netzwerke, Messenger-Dienste und Plattformen mit audiovisuellen Inhalten. Putin betonte:
"Niemand sonst verfügt über das gesamte Spektrum."

Der Begriff "komplettes Paket" lässt sich leicht als bloße Floskel abtun. Doch er hat eine praktische Bedeutung: Wenn Messenger, Cloud und Datenspeicher in derselben Rechtsordnung und bei ein und demselben Entwickler angesiedelt sind, lassen sich durchgängig sichere Systeme aufbauen. Man muss sie nicht aus Einzelteilen zusammenfügen, zu denen man keinen Zugriff hat – weder auf den Quellcode noch auf die Schlüssel.
Die gleiche Logik gilt auch außerhalb der digitalen Sphäre. Russland Premierminister Michail Mischustin führte bei einer Strategiesitzung zu den nationalen Projekten für technologische Führungsrolle Beispiele an, die die russischen Prioritäten in den Bereichen Ernährungs- und Verkehrssicherheit widerspiegeln.
So entwickeln Institute, Hochschulen und Unternehmen am Standort des Timirjasew-Genomzentrums eine digitale Plattform für die beschleunigte Selektion. Nach Einschätzung der Regierung verkürzt sie die Zeit bis zur Einführung neuer Sorten und Hybride um etwa das Dreifache. Für ein Land in einer Zone mit risikobehafteter Landwirtschaft ist dies ein erheblicher Gewinn: Nur wenn eine Sorte bereits nach drei statt nach neun Jahren auf den Markt kommt, kann schneller auf Markt- und Klimaveränderungen reagiert werden. Parallel dazu steigt die Produktion von Futterzusätzen, Aminosäuren und Enzymen. Große Produktionsstätten entstehen in der russischen Teilrepublik Tatarstan sowie in den Gebieten Belgorod, Woronesch, Moskau, Tula und Jaroslawl.
Auch der Bereich des Hightech-Transports steht vor einer Skalierung. In diesem Jahr nahm der zweite serienmäßige arktische Gastanker, der auf der Werft Swesda in der Region Primorje gebaut wurde, den Betrieb auf den Routen der Nordostpassage auf. Früher waren solche Schiffe ausschließlich im Ausland gebaut worden.
Eine Hochgeschwindigkeitseisenbahnverbindung ist in Vorbereitung: Die Wagenkästen für drei Elektrozüge sind fertiggestellt, die Testinfrastruktur befindet sich im Bau.
Die Il-114 und das PD-8-Triebwerk für den Superjet haben die Einhaltung der verbindlichen Anforderungen bestätigt. Das Flugzeug MS-21 durchläuft derzeit die Zertifizierungsprüfungen.
Einen echten Durchbruch hat Russland im Bereich des unbemannten Verkehrs erzielt. In den ersten neun Monaten des Jahres 2026 stieg die Anzahl der Komponenten für unbemannte Luftfahrzeuge im Register der russischen Industrieprodukte um fast 80 Prozent. Dieser Wert bezieht sich nicht auf die Produktion, sondern auf die Lokalisierung. Doch gerade die Lokalisierung entscheidet darüber, ob die Branche auch dann weiterarbeiten kann, wenn die Lieferketten zusammenbrechen.
Putin erklärte auf der Plenarsitzung des Forums Russland – Afrika, dass russische Lösungen in einer Reihe von Bereichen Weltklasse-Niveau haben und die Konkurrenten nur hinterherhinken und nachahmen können. Diese Behauptung lässt sich leicht überprüfen, wenn man sich beispielsweise Drohnen, Gastanker oder atomgetriebene Eisbrecher ansieht. Aber "eine Reihe von Bereichen" ist noch nicht "alles".
Das anschaulichste Beispiel ist das Satelliten-Internet in niedriger Umlaufbahn. Der russische Minister für digitale Entwicklung Maxut Schadajew bezeichnete Rasswet als Pendant zu Starlink, das auf eigenständigen Lösungen basiert, und teilte mit, dass sich bereits mehr als 30 Satelliten in der Umlaufbahn befinden.
Putin selbst gab eine klare Definition: Rasswet sei der erste Schritt. Er merkte an, dass Elon Musk ein genialer Mensch sei, der schon über 5.000 Satelliten in der Umlaufbahn hat. Wir können stolz darauf sein, dass wir angefangen haben, aus eigener Kraft Satelliten in die Umlaufbahn zu bringen. Das ist eine ehrliche Formulierung und zugleich eine Aufgabenstellung des Präsidenten vor dem Hintergrund, dass Starlink weiter wächst und wir ein sich bewegendes Ziel einholen müssen.
Nun die wichtigste Frage: Warum sollte ein Land in Afrika, Asien oder Lateinamerika auf russische Lösungen zurückgreifen?
Nicht, weil sie "die besten von allen" sind, obwohl dies in einigen Bereichen tatsächlich der Fall ist. Viele Staaten benötigen jedoch keine bahnbrechende Technologie, sondern die Möglichkeit, nicht von einer einzigen Quelle abhängig zu sein. Sie wollen eine Alternative haben. So verfährt jeder vernünftige Einkäufer. Wenn man nur einen Lieferanten hat, hat man keine Verhandlungsposition. Dies ist umso wichtiger, wenn auf technologische Abhängigkeit politische Forderungen folgen könnten.
Russland kann mehrere Bereiche anbieten:
Erstens, Satellitenkommunikation und Infrastruktur, die sich schnell skalieren lassen.
Zweitens, Plattformen für den Informationsaustausch und Lösungen zum Datenschutz, wo das Land tatsächlich über ein umfassendes Spektrum an Technologien verfügt.
Drittens, Agrartechnologien, insbesondere Pflanzenzüchtung und Futterzusätze. Für viele afrikanische Länder ist die Ernährungssicherheit wichtiger als alles andere.
Viertens, Transportsysteme: vom Regionalflugzeug bis zur Arktisschifffahrt.
Ein Vertrag, klare Fristen für den Support, die Möglichkeit der Lokalisierung und des Kompetenztransfers – das sind die entscheidenden Faktoren bei der Beschaffung. Das Forum "Russland – Afrika" und die Ausstellung innovativer Lösungen haben gezeigt, dass solche Gespräche für afrikanische Partner von Interesse sind. Doch zwischen der Ausstellung und einem unterzeichneten Liefervertrag liegt noch ein langer Weg, den es zu beschreiten gilt.
Die russische Technologiepraxis ist gut darin, Pilotprojekte zu entwickeln: ein eigenständiges Zentrum, ein eigenständiges Werk, ein erstes Serienmodell. Schwieriger ist es, zu einer nachhaltigen Serienproduktion mit vorhersehbarer Qualität und Preis zu übergehen. Der zweite Gastanker der Swesda-Klasse ist ein gutes Zeichen, doch der eigentliche Test wird bestanden sein, wenn es zehn davon gibt. Das Gleiche gilt für Rasswet: Der Übergang von 30 Flugkörpern zu Hunderten erfordert den Aufbau einer stabilen Produktionslinie.
Auch die Konkurrenten stehen nicht still. Musk baut seine Flotte aus, chinesische Unternehmen erweitern ihre Ökosysteme. Unser Ziel ist es nicht, Starlink nachzuahmen, sondern Nischen zu besetzen, in denen eigene Lösungen einen echten Vorteil bieten. Oberste Priorität hat es, die geleistete Arbeit in praktische Ergebnisse umzusetzen. Wenn wir in zwei Jahren sagen können, dass aus Zugwagen Züge geworden sind und aus Satelliten ein gefragter Dienst – dann haben wir alles richtig gemacht.
Technologische Souveränität darf kein Selbstzweck oder eine Autarkie sein. Souveränität im vernünftigen Sinne ist die Fähigkeit, auch bei sich ändernden äußeren Bedingungen nicht ohne kritische Technologien dazustehen, sowie die Möglichkeit, mit Partnern auf Augenhöhe zu verhandeln.
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 6. November 2026 zuerst auf der Website der Zeitung Wsgljad erschienen.
Gleb Prostakow ist ein russischer Wirtschaftsanalyst.
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