
Liechtenstein: Cyberangriff auf Wirtschaftsregister – Täter kopieren Daten von 31.000 Personen

Unbekannte Cyberakteure haben in Liechtenstein die registrierten persönlichen Daten aus einem Verzeichnis zur Bekämpfung von Geldwäsche abgegriffen. Die Regierung des Fürstentums hat daher zu Wochenbeginn einen Krisenstab einberufen. Bei der Aktion wurden laut Regierungsangaben in einer Mitteilung "die Daten von 31.000 Rechtsträgern widerrechtlich abgegriffen."

Nach den bislang veröffentlichten Informationen betraf die Cyberattacke das vor fünf Jahren eingerichtete "Verzeichnis wirtschaftlich berechtigter Personen (Vwb)" des Fürstentums Liechtenstein. Dieses staatliche Register soll der "Bekämpfung von Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung" dienen und enthält in seinen Daten Angaben zu den wirtschaftlich Berechtigten hinter Unternehmen, Stiftungen und Treuhandkonstruktionen.
Bis dato unbekannte Täter hätten sich laut vorläufigen Erkenntnissen bereits in der Nacht auf den 30. Juli "widerrechtlich Zugriff auf das digitale Verzeichnis der wirtschaftlich berechtigten Personen verschafft", teilte die Regierung des Fürstentums am gestrigen Sonntagabend mit.
Dabei seien im Verlauf des 30. Juli "beim Amt für Justiz Unregelmässigkeiten aufgefallen", so Darlegungen in der Mitteilung. Aufgrund des unmittelbaren "Anfangsverdachts" habe dann das zuständige Amt für Informatik "unmittelbar Massnahmen zur Sicherung der Daten umgesetzt" und das betroffene System vom Netz genommen. Zudem sei eine "umfassende Analyse" des Vorfalls eingeleitet worden.
Nach aktuellem Kenntnisstand, so die weiteren Darlegungen seitens der Liechtensteiner Landesregierung, würden keine Hinweise darauf bestehen, "dass die Daten im System verändert oder gelöscht wurden." Jedoch seien laut den Ermittlungen die Datenkopien mit erkenntnisreichen und möglicherweise lukrativen Informationen "widerrechtlich abgegriffen" worden.
Mit dem Besitz der angeeigneten Dateien könnte nun theoretisch seitens der Hacker erkannt bzw. offeriert werden, wer hinter den großen Vermögen steckt, die in Liechtenstein in den vergangenen Jahren und Jahrzehnten unter erhoffter Anonymität geparkt wurden. Welche Daten genau entwendet wurden, ist bislang nicht im Detail veröffentlicht. Die Befürchtungen lauten in Medienberichten, dass die Informationen unter anderem Namen der wirtschaftlich Berechtigten, die Staatsangehörigkeit, den Wohnsitz oder Anschrift sowie die Art und den Umfang einer wirtschaftlichen Beteiligung bzw. Kontrolle an Unternehmen, Stiftungen oder Treuhandgesellschaften beinhalten.
Ein Krisenstab sei unter der Leitung von Regierungschefin Brigitte Haas und Justizminister Emanuel Schädler umgehend einberufen worden. Durch den Angriff sei der "Schutz personenbezogener Daten verletzt" worden, hieß es vonseiten der Regierung. Betroffene Personen sollten daher so schnell wie möglich informiert werden. Parallel werde "eine zentrale Informationsstelle eingerichtet, bei welcher sich Betroffene bei Fragen melden können."
Das Fürstentum Liechtenstein mit gerade einmal rund 41.000 Einwohnern gehört gemessen am Bruttoinlandsprodukt pro Kopf zu den reichsten Ländern der Welt. Mit nur 160 Quadratkilometern Größe gilt es zudem als eines der kleinsten Länder der Erde.
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