Der Sekretär des russischen Nationalen Sicherheitsrates, Sergei Schoigu, ist am Mittwoch mit der Politik der amtierenden armenischen Regierung hart ins Gericht gegangen. Armenien habe eine ganze Reihe unfreundlicher Schritte gegenüber Russland vollzogen, sagte er während der Tagung einer besonderen Arbeitsgruppe des Sicherheitsrates.
Insbesondere habe das offizielle Jerewan das eigene Volk und dessen historisches Gedächtnis verhöhnt, als es Wladimir Selenskij im Rahmen der europäischen "Politischen Gemeinschaft" eine Tribüne bot. Auch das armenische Volk hat im Zweiten Weltkrieg gegen den Nazismus gekämpft. Schoigu wörtlich:
"Stellen Sie sich vor: Der Anführer des neonazistischen Kiewer Regimes drohte aus Jerewan, die Siegesparade anzugreifen. Das ist nichts anderes als eine Verhöhnung des Andenkens an mehr als anderthalb Millionen Armenier, die gegen den Nazismus, dieses absolute Übel, gekämpft haben, ohne ihr Leben zu schonen."
Schoigu erinnerte daran, dass das Verhältnis der beiden Länder keine Einbahnstraße sein könne, auch wenn man das Bestreben der Paschinjan-Regierung verstehe, einseitige Vorteile erzielen zu wollen.
Dazu zählte er auf, wie sehr Armenien von den Beziehungen mit Russland profitiere. Russland liefere Armenien Erdgas, Mehl, Getreide, Kraftstoffe und Düngemittel zu Preisen, die bei einem Drittel der Weltmarktpreise liegen. 98 Prozent der Exporte von Landwirtschaftsgütern und 78 Prozent der aus Armenien exportierten Spirituosen gingen nach Russland. Die Bürger Armeniens profitieren von den die Arbeit in Russland erleichternden Meistbegünstigungsregeln und hätten allein im Jahr 2025 fast 3,9 Milliarden US-Dollar in die Heimat überwiesen. 40 Prozent der Armenien besuchenden Touristen kämen aus Russland. Mit ihren Ausgaben unterstützen sie die armenische Wirtschaft erheblich.
Russland sei nicht entgangen, dass Armenien seine strategischen Partner in letzter Zeit unter Russland unfreundlich gesinnten Ländern suche. Es solidarisierte sich in internationalen Debatten auf ständiger Basis mit den Positionen der EU und habe den Kurs auf einen Beitritt zur Europäischen Union bereits im Frühjahr letzten Jahres gesetzlich verankert.
Das russische und das armenische Volk seien durch jahrhundertealte Freundschaftsbande und eine gemeinsame Geschichte verbunden, die auch den Widerstand gegen fremde Invasoren umfasst, resümierte Schoigu. Es bleibt zu hoffen, dass sie auch die gegenwärtige politische Konjunktur überdauern werden.
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