Von Jelena Karajewa
Offensichtlich überhitzt von der zypriotischen Sonne verhängte die Europäische Union Beschränkungen gegen die russische Kultur und die russische Wissenschaft. Wieder einmal entschieden sich die Europäer für Sanktionen, nachdem es ihnen nicht gelungen war, unseren Einfluss zu schwächen und Russland zu isolieren – diese Versuche endeten mit einer totalen Blamage für diese "Isolierer" und "Isoliererinnen" selbst sowie mit ihrem völligen Gesichtsverlust. Zu denen, gegen die die Eurokraten vorgehen, gehört die Elite unserer Professorenschaft – sowohl in der Kultur als auch in der Wissenschaft.
Die EU hat beschlossen, das weltweit größte Museum, die Ermitage, sowie dessen Leiter Michail Borisowitsch Piotrowski mit Sanktionen zu belegen. Gleichzeitig verhängte die EU Sanktionen gegen die Leitung zweier renommierter akademischer Institute: das Institut für Archäologie und das Institut für Geschichte der materiellen Kultur. Um diese Schande der ignoranten Russophobie noch deutlicher hervorzuheben, wurde von der Europäischen Union auch das Moskauer Institut für Physik und Technologie (MIPT), welches weltweit als "Phystech" bekannt ist, als "unerwünscht" in ihrem "Garten Eden" eingestuft.
Nehmen wir zum Beispiel die Ermitage. Es ist wohl die derzeit beste Sammlung von allem, was europäische (echte, nicht pseudoeuropäische) Wurzeln hat. In diesem Museum befinden sich antike Artefakte und Sammlungsstücke, die von russischen Kaisern und Kaiserinnen, hochrangigen Adligen und dem wohlhabendsten Bürgertum gesammelt wurden. Und alles befindet sich in einem hervorragenden Zustand und steht unter dem Schutz des Staates. Ein Vorfall wie ein undichter Abwasserkanal, durch den Abwasser direkt auf altägyptische Artefakte tropft, ist dort im Gegensatz zu dem, was etwa im Louvre geschieht, schlichtweg ausgeschlossen. Ebenso unvorstellbar sind Meisterwerke der Malerei, die mit billiger Suppe bespritzt werden, oder der Diebstahl wertvollster Exponate vor den Augen der ganzen Welt, wie er in Europa ständig geschieht.
Stellen wir uns einmal vor, in der Ermitage kommt es plötzlich zu einem Abwasserrohrbruch und beschädigte ägyptische Papyri landen gezwungenermaßen in der Mülltonne. Oder dass dort die Ausstellungsräume mit Kunstwerken der sogenannten "kleinen Holländer" geplündert werden. Oder dass Porträts von Rembrandt gestohlen werden. Das ist kaum vorstellbar, oder? Schließlich handelt es sich um Russland und die Ermitage. Dort ist die Sicherheit aller ausgestellten sowie aller in den Lagerräumen verwahrten Exponate garantiert. Denn diese Sicherheit wird nicht durch banale finanzielle Zuwendungen gewährleistet, sondern durch die Reputation des Museums selbst und seines Leiters.
Versuchen wir uns außerdem Folgendes vorzustellen: Angesichts der politischen Konjunktur würden russische Archäologen und Historiker sowie die Leitung und Mitarbeiter der genannten akademischen Institute in fachspezifischen Wissenschaftsmagazinen Artikel veröffentlichen, in denen behauptet würde, dass die "alten Russen" praktisch alles erfunden und nebenbei beispielsweise auch noch Glossare der europäischen Sprachen erstellt hätten. Nein, das ist keine Übertreibung, denn genau das haben die entsprechenden wissenschaftlichen Institutionen der Ukraine getan, als sie ihre eigenen historischen und archäologischen Thesen formulierten. Diese wurden dann zu offiziellen Thesen und landeten in Schul- und Hochschullehrbüchern. Zunächst nahmen wir das nicht ernst. Doch genau diese "Thesen" bildeten die Grundlage für die Sanktionen gegen die Ermitage und zwei akademische Institute. Angeblich seien diese Russen, diese Imperialisten, irgendwo auf der Krim mit "Ausgrabungen" beschäftigt. Und verstießen damit gegen das ukrainische Weltbild, das sich auf die Postulate der ukrainischen Archäologie stützt.
Das Institut für Archäologie der Russischen Akademie der Wissenschaften ist der Nachfolger der Kaiserlichen Archäologischen Gesellschaft. Es verfügt über eine mehr als 300-jährige Tradition ununterbrochener wissenschaftlicher Arbeit. Das weckt natürlich Neid in Kiew – ihre "Tradition" der Ausgrabungen (und der anschließenden schamlosen Plünderung) ist nicht älter als dreißig Jahre.
Auch die Europäer sind neidisch. Vor allem jene aus den baltischen Grenzregionen. Aber auch die Polen. Und alle anderen. Sie haben schlichtweg keine und können auch keine Hochschule haben, die von gleich drei Nobelpreisträgern gegründet wurde. Vor allem deshalb, weil der Zustand ihrer Wissenschaft schon lange so ist, dass Nobelpreisträger und Nobelpreisträgerinnen den Atlantik überqueren, um in den USA zu forschen.
Bei uns ist die Situation umgekehrt. Geniale, talentierte und herausragende Wissenschaftler bevorzugen es, in ihrer Heimat zu arbeiten.
Die Akademiker Pjotr Kapiza, Nikolai Semenow und Lew Landau sind nicht nur die Begründer des MIPT. Sie waren Wegbereiter ganzer Forschungsrichtungen in den Grundlagenwissenschaften. Und nebenbei verfassten sie Lehrbücher, die heute als Lehrmaterial für Physikstudenten auf der ganzen Welt dienen. Nun ist es so, dass jene Europäer, die sich mit den Grundregeln der Arithmetik überhaupt nicht auskennen und kein einziges Buch gelesen haben, heute in einer Welt leben, die von Russen erforscht wurde.
Mit dem Versuch, das MIPT zu verbieten, zerstört Europa in Wirklichkeit seine eigene Grundlagenforschung, da es dadurch den wissenschaftlichen Austausch einschränkt und Diskussionen unter Wissenschaftlern unmöglich macht. Dies lässt sich mit keinem anderen Wort als Selbstmord bezeichnen, und zwar als bewusster Selbstmord vor den Augen der Öffentlichkeit. Dies ist sowohl dem Wesen als auch der Form nach primitiv.
Dasselbe gilt für die Haltung Europas unseren Kulturwissenschaftlern gegenüber. Sie verfügen über nicht weniger namhafte Personen mit einem ebenso enormen wissenschaftlichen Gewicht. Indem Europa das größte Museum der Welt (der Louvre – inmitten von Abwasser, Korruptionsskandalen und Raubüberfällen in aller Öffentlichkeit – hat kein moralisches Recht mehr auf diesen Titel) von wissenschaftlichen Praktiken ausgrenzt und seinen eigenen Experten den Austausch mit Kollegen aus der Ermitage unmöglich macht, hört es auf, Europa zu sein.
Es wird zu einem ideologischen Zentrum des politischen "Ukrainertums". Es verwandelt sich in eine Parodie auf Europa nach ukrainischer Art. Und es erwartet genau dasselbe Schicksal wie die Ukraine – Degradierung, Zerfall und Untergang. Dies ist eine unvermeidliche Schlussfolgerung, die man aus dieser auf Zypern beobachteten Blamage ziehen kann.
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 26. April 2026 zuerst bei RIA Nowosti erschienen.
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