Unter dem Motto "Nie wieder Krieg!" lädt das katholische Bistum Regensburg am 5. November 2026 zu einer mit "Krieg und Frieden" betitelten ganztägigen Tagung ein. Im Rahmen einer Informationsveranstaltung will das Bistum eigenen Angaben zufolge "Kirche, Wissenschaft, Politik, Bundeswehr, Journalismus und Regensburger Zivilgesellschaft miteinander ins Gespräch" bringen. Tagungsort ist das Diözesanzentrum Obermünster.
Laut Bistum Regensburg geht es dabei um die "großen Fragen von Krieg und Frieden, Krise, hybriden Bedrohungen und Verteidigungsfähigkeit". Die Teilnehmer an den verschiedenen Panels werden demnach über eine Sicherheitslage sprechen, in der sich – so die Verlautbarung des Bistums – "Frieden, Krise und offener Konflikt nicht mehr so eindeutig voneinander trennen lassen".
Doch diese scheinbar so friedfertige Tagung bietet Zündstoff auch für innerkatholische Auseinandersetzungen. Innerhalb katholischer Kreise keimt Widerstand gegen die Veranstaltung auf. Darüber hatten zunächst das digitale Nachrichtenportal idowa.de und das Nachrichtenmagazin Focus berichtet.
Demnach steht vor allem die Gästeliste im Brennpunkt der Kritik. Und tatsächlich weist sie neben einigen Theologen und Völkerrechtlern zwar CSU-Politiker und aktive oder bereits im Ruhestand befindliche Militärs auf, aber keine dezidierten Kritiker der deutschen Aufrüstung.
Die Frankfurter Politikwissenschaftlerin Nicole Deitelhoff etwa stößt sich zwar an dem von Verteidigungsminister Boris Pistorius wieder ins Spiel gebrachten Begriff "Kriegstüchtigkeit", ist aber ansonsten Medienberichten zufolge durchaus der Meinung, dass eine bessere Ausstattung der Bundeswehr zur Abschreckung unerlässlich sei. Ähnlich verhält es sich bei den übrigen Panelisten.
Das Bistum betont zwar in seiner Einladung, die Veranstaltung einer solchen Tagung bedeute nicht, "militärische Logiken zum Ausgangspunkt kirchlichen Denkens zu machen". Man wolle nicht für Krieg werben, sondern die sicherheitspolitischen Fragen der Gegenwart nicht ausblenden. Wo es um Verteidigungsfähigkeit gehe, gehörten Völkerrecht, Diplomatie, gesellschaftlicher Zusammenhalt und die moralischen Grenzen staatlicher Gewalt mit auf den Tisch.
Die Kritiker der Veranstaltung überzeugt das nicht. Dazu trägt sicherlich auch der Umstand bei, dass als Redner für den Festvortrag der oberste Soldat der Bundeswehr, Generalinspekteur Carsten Breuer, geladen ist. Laut Vorankündigung wird er "über die gegenwärtige Bedrohungslage, die Einsatzbereitschaft der Bundeswehr und die Herausforderungen sprechen, Deutschland verteidigungsfähiger zu machen".
Themen des Vortrags seien "Personal, Ausbildung, Organisation und Infrastruktur ebenso wie Material, Digitalisierung, die NATO-Ostflanke, die Litauenbrigade, das Verhältnis zu den Vereinigten Staaten und die nukleare Bedrohung".
Im Internet kursiert mittlerweile ein Protestbrief, der dem Regensburger Pfarrer Martin Müller zugeschrieben wird. Der Verfasser des Briefes findet es empörend, dass sich ein römisch-katholisches Bistum dazu hergebe, "der Militärdoktrin eine Plattform zu bieten und sich so zum Organ der Regierung und zur Außenstelle der Öffentlichkeitsarbeit der Bundeswehr" mache.
Noch empörender sei allerdings, "dass Friedensbewegung, Friedensforscher und Vertreter des gewaltlosen Widerstands nicht einmal bekannt zu sein scheinen". Menschen, die militärische Gewalt als Konfliktlösung ablehnen und ihr Gewissen dabei an Jesus ausrichten, könnten sich in einem solchen Bistum nicht zu Hause fühlen.
Die internationale katholische Friedensbewegung Pax Christi richtet deshalb am Vorabend der Bistumsveranstaltung im Pfarrsaal von St. Anton ein eigenes Symposium unter dem Titel "Friede statt Krieg" aus. Es soll als ergänzende Veranstaltung zur diözesanen "Militärtagung" dienen.
Thema der Alternativveranstaltung ist die Frage, wie der christliche Friedensauftrag umgesetzt werden kann. Als Referenten angekündigt sind die Friedensforscherin Hanne-Margret Birckenbach, der Theologe Stefan Silber und der Friedensethiker Ralf Becker. Auch der Liedermacher Hubert Treml unterstützt das Symposium.
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